Neuproduktionen : showcase.nord

vor 1 Monat

In Kooperation mit tanz.nord will showcase.nord die künstlerische Zusammenarbeit der zwei Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein weiter stärken, die Tanzszene in Schleswig-Holstein weiterentwickeln und neue Orte für den Tanz öffnen. Showcase gibt vier Produktionsteams die Chance, in einem kurzen, aber finanzierten Probenprozess eine neue Arbeit zu realisieren. Dabei entstehen jeweils vier Aufführungen von vier technisch unaufwendigen Kurzstücken von max. 30 Min. Länge. Die dreiköpfige Fachjury hat folgende vier Neuproduktionen ausgewählt:   

 

»I’ll be your mirror« – Teresa Hoffmann

Eine Objektchoreographie für und mit Menschen allen Alters. Objekte werden von einer Performerin bewegt, manipuliert, inszeniert, während eine zweite Performerin das Verhalten der Objekte und damit einhergehenden Bewegungen und Geräusche, als Anlass zum Erzählen nimmt und eine dritte Performerin den Soundtrack dazu kreiert. Die Sprache resultiert aus der feinen Wahrnehmung und Aufmerksamkeit auf die Qualitäten der bewegten Objekte und Körper. Die Performerinnen sind in erster Linie Dienerinnen des Materials. Ihre Körper können aber auch Teil der Erzählungen werden. Teresa Hoffmann interessiert sich in ihrem Projekt für die Sicht auf den Prozess des Verschwimmens zwischen und des Lebendigwerdens von Menschenkörper und nicht-lebendigem Material. Objekte werden in dem Stück zu den Hauptakteur:innen der Choreographie. Sie bekommen vielfältige und wandelnde Bedeutungen und entfalten im Verlauf der Zeit immer mehr und unendlich scheinende Qualitäten und Erzählpotenzial.  

»REINVO« – Nadja Häussler

In den letzten 2 Jahre sind wir gezwungen innezuhalten und zu überdenken was uns menschlich macht. »REINVO« entspringt dem englischen Wort „reinvigorate“ (=mit neuem Leben erfüllen) und steht für die menschliche Fähigkeit auch in Zeiten hoher Belastung Wege zu finden, unsere erschöpfte Seele mit neuem Leben zu erfüllen. Mit mitreißenden Rhythmen soll »REINVO« eine gemeinsame Energie des Aufatmens und Auftankens schaffen um unser Leben zu erfüllen und ihm Bedeutung zu geben. Die gewählten „Street Styles“ Hip Hop, Popping, Breakdance, Tap, Contemporary und Jazz mit Rhythmical Stomping repräsentieren die Gesellschaft, von der sie geschaffen wurden und sind Ausdruck von Missständen und Mangel an Ressourcen. In der Performance finden zwei Performer:innen durch die Vereinfachung der zunächst fremden Bewegungsform der/des Anderen eine gemeinsame Sprache.  

»[+0day]«  – Yosuke Kusano

Yosuke Kusano arbeitet als freischaffender Tänzer, Gyrokinesis/Tonic-Trainer und Ballettlehrer. Nach seiner tänzerischen Ausbildung am Hamburg Ballett im Jahr 2005 folgten Engagements an verschiedenen Kompanien, u.a. dem Hamburg Ballett, dem Norwegian National Ballet, dem Scapino Ballet Rotterdam und Regensburg Theater. Inspiriert von Moshé Feldenkrais‘ Worten „The behavior of human beings is firmly based on the self-image they have made for themselves. Accordingly, if one wishes to change one’s behavior, it will be necessary to change this image.“ beschäftigt sich Yosuke Kusano in »[+0day]« mit der Wiederherstellung des eigenen Selbstbildes und der Frage, ob wir unser authentisches Selbst überhaupt finden können.  

»HEXHEX « – Angela Kecinski

Die choreographische Auseinandersetzung mit der fantastischen Figur der Hexer:innen fragt nach der Dar- und Herstellung eines hexenhaften Körpers. In der Figur der Hexe / des Hexers finden sich zahlreiche Geschlechterzuschreibungen und Rollenbilder versteckt. Das Bild der Hexe wandelte sich vom Archetyp des weiblichen Abgrunds zu einem netten Mädchen, das gute Sachen in Reitstall und Alltag hext (Hexe aus Hänsel und Gretel vs Bibi Blocksberg). Ihr männliches Pendant, zwar auch Opfer von Hexenverbrennungen, wurde eher als allwissender Meister dargestellt (Merlin). Heute ist es schwer einen Hexer zu finden, der nicht ein gewisses Maß an Gewaltbereitschaft mitbringt (The Witcher, Harry Potter). Hex und Hex vermissen starke Mädchen und Jungs, die in einer realen Welt leben und sich mit Köpfchen empowern statt mit Laserschwert. Sie versuchen zu verstehen, was Genderidentität bedeutet und stellen fest, dass Männlichkeit und Weiblichkeit nicht so klar festzulegen sind. Diese Auseinandersetzung kann gefühlstechnisch herausfordernd sein, vor allem, wenn man sich selbst in seiner Genderidentität (noch) nicht sicher ist.  

  

Unabhängig und in einem engen Austausch ermittelte die Fachjury unter vielen Einreichungen vier Neuproduktionen. Die Fachjury setzt sich aus drei Persönlichkeiten aus dem Bereich Tanz und Choreografie wie folgt zusammen:  

 

Su Jin Kim ist Tänzerin, Choreografin und Tanzvermittlerin aus Südkorea, lebt und arbeitet in Hamburg. Ihre letzte Tanzperformance Produktion ,,Mein Bild von dir“ erhielt die Nachwuchsförderung der Stadt Hamburg Ihr Interesse gilt der Erforschung von Körpersystemen und der Schaffung neuer Bewegungsformen durch Beobachtung im Kontext von Gesellschaft, Kultur und Alltag.   

Monica Gillette ist Choreografin und Dramaturgin und hat seit mehr als 25 Jahren Erfahrung im Bereich der performativen Kunst, in Künstler:innen-Netzwerken, partizipativen Projekten und transdisziplinären Recherchen. Sie ist Projektdramaturgin für die EU-geförderten Projekte Empowering Dance, Dancing Museums – The Democracy of Beings und Migrant Bodies – Moving Borders. Sie lebt in Freiburg, wo sie mit dem Theater Freiburg, Tanznetz Freiburg und der Tanzszene BW zusammenarbeitet.   

Emil Wedervang Bruland war nach Stationen als Tänzer am Aalto Ballett Theater Essen und am Kieler Ballett ab der Saison 2012/2013 Mitglied des Leipziger Balletts, wo er auch als Solist zu sehen war und mehrere Choreografien erarbeitet hat. Seit der Spielzeit 2020/2021 ist er als Ballettdirektor und Choreograf am Schleswig-Holsteinischen Landestheater tätig.  

 

Mit showcase.nord entsteht ein Jahr lang ein Freiraum zum gemeinsamen Recherchieren und Produzieren für Tanzschaffende aus Hamburg und Schleswig-Holstein. showcase.nord stärkt mit Neuproduktionen, der Residenzmöglichkeit showcase.residency und digitalen Vernetzungstreffen die durch tanz.nord begonnene Strukturentwicklung für den Tanz in beiden Bundesländern.

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Mit tanz.nord schaffen vier Projektpartner aus Hamburg und Schleswig-Holstein (Dachverband freie darstellende Künste Hamburg, K3 – Zentrum für Choreographie | Tanzplan Hamburg, Kultur- und Bildungszentrum Bad Oldesloe, Tanz und Performance Netzwerk Schleswig-Holstein) eine Struktur, die den Austausch der freien Tanzszenen beider Bundesländern im Fokus hat. tanz.nord ermöglicht Gastspiele und showcase.nord Neuproduktionen an neu für den Tanz gewonnenen Spielorten in Schleswig-Holstein und in Hamburgs Außenbezirken. Zudem werden produktionsunabhängige Recherchevorhaben gefördert sowie Vernetzungs- und Arbeitstreffen organisiert. Durch Schulpartnerschaften und ein vorstellungsbegleitendes Vermittlungsprogramm macht sich tanz.nord für eine langfristige Publikumsentwicklung außerhalb urbaner Zentren stark. 

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Unterstützt durch DIEHL+RITTER/TANZPAKT RECONNECT, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien im Rahmen der Initiative NEUSTART KULTUR. Hilfsprogramm Tanz